Nähkurse für Frauen in Nepal
In den schwach erschlossenen Regionen Nepals gibt es nur wenige Perspektiven, denn nicht alle Menschen werden in der Landwirtschaft benötigt und die Bildungschancen sind gering. Viele Nepalesen gehen deshalb zum Arbeiten ins Ausland. Den jungen Frauen droht ein ganz besonderes Schicksal: Sie werden zur Verheiratung im Ausland gezwungen oder enden in der Prostitution. Aus diesem Grund setzt sich unsere Partnerorganisation Aim Aid Nepal (vormals United Serve Society Nepal) dafür ein, diesen Frauen eine halbjährige Schneiderausbildung zu ermöglichen. Auf diese Weise können die Frauen eigene Unternehmen gründen und sich dadurch eine sicherere Einkommensquelle schaffen. Im Folgenden werden Eindrücke und Informationen zu den bisherigen Kursen beschrieben.
Nepal ist ein wunderschönes Land und wird als solches von vielen Touristen besucht. Außerhalb der Attraktionen aber gibt es für die Menschen hier nur wenige Perspektiven. Die Regierung fördert mehr, dass Nepales*innen im Ausland arbeiten und Geld ins Heimatland überweisen, um ihre Familien zu ernähren, als interne Strukturen zu schaffen. Denn das Land ist in den gebirgigen Regionen sehr unwegsam, kaum für Landwirtschaft geeignet und nur begrenzt durch Straßen erschlossen. Aber auch in den flacheren Vorgebirgsregionen, wie der Terai-Ebene, leben viele Menschen mit geringem Einkommen und geringem Bildungsstand – denn obwohl die Schulen umsonst sind, müssen Bücher, Schreibwaren und Schuluniformen selbst gekauft werden. Viele Nepales*innen arbeiten deshalb unter meist menschenunwürdigen Bedingungen in den Golfstaaten, China oder Indien. Während die Männer meist auf den Baustellen tätig sind (z.B. auf jenen für die Fußball-WM 2022 in Katar), haben junge Frauen mit geringer Bildung aus den Dörfern Nepals ein hohes Risiko, im Ausland als Ehefrau zwangsverheiratet zu werden oder als Prostituierte zu enden.
Um den Frauen aus den abgelegenen Bergdörfern sowie aus dem Terai eine bessere Chance für den Aufbau eines eigenen Unternehmens und einer alternativen Einnahmequelle zu ermöglichen, setzt sich unser Partnerverein Aim Aid Nepal (vormals United Serve Society) stark für die Ausbildung junger Frauen zu Schneiderinnen ein. Ein Kurs dauert 6 Monate und die Frauen lernen zunächst mathematische Grundlagen, richtiges Maßnehmen, das Erstellen von Schnittmustern und das Zuschneiden und Nähen von Kleidungsstücken. Dabei arbeiten sie an einfachen, mechanischen Nähmaschinen, da keine konstante Stromversorgung gewährleistet ist. Nach Abschluss des Kurses dürfen Frauen aus sehr armen Familien ihre Maschine für die Gründung eines Start-ups mitnehmen.
Seit 2023 wurden mittlerweile drei Nähkurse angeboten – üblicherweise mit 20 Teilnehmerinnen, einer mit 30. Die Nachfrage ist extrem groß und viele der Frauen nehmen täglich einen langen und beschwerlichen Fußmarsch auf sich, um teilnehmen zu können. Und die Bemühungen sind erfolgreich: Aus dem ersten Kurs haben sich vier Frauen zu einem Unternehmen zusammengeschlossen und nehmen Auftragsarbeiten an.

Teilnehmerinnen des ersten Kurses mit ihren ersten Kleidungsstücken.

Erfolgreiche Absolventinnen des zweiten Kurses.
