Reinigung von Oberflächenwasser (PAUL-Wasserreinigung, Universität Kassel) (2026- )
In den südlichen Gebieten Bangladeschs, im Mündungsbereich der großen Flüsse Ganges, Brahmaputra und Megna, befinden sich die Sundarbans. In diesem Gebiet ist das Grundwasser oft brackisch, d.h. durch seine natürlichen Salzgehalte nicht genießbar. Dieser Effekt wird durch zunehmende Shrimp-Farmen in diesem Gebiet gefördert, weil das salzige Wasser dann versickert und andere Grundwasserschichten versalzt. Auch das tiefe Grundwasser ist durch Salzintrusionen aus dem Meer versalzt. Dieser Effekt wird sich durch den ansteigenden Meeresspiegel in Zukunft noch verschlechtern.
In diesen Gebieten wird zunehmend Regenwasser gesammelt. Zur Überbrückung der Trockenzeit wird Wasser aus Tümpeln getrunken. Dieses Wasser ist oft stark mikrobiell verunreinigt. Eine Abhilfe könnten die Filter der Universität Kassel sein. Der PAUL (Portable Aqua Unit for Lifesaving) (tragbare Wassereinheit zur Lebensrettung) ist nur 20 kg schwer und reinigt verschmutztes Wasser durch Ultrafiltration (Nano-Membranfiltration) ohne Strom und ohne Chemikalien. Von diesen Filtern haben wir einen angeschafft und stellen ihn Shatkira in den Sundbarbans auf. Er kann täglich genug Wasser für bis zu 400 Personen (rechnerisch bis zu 4000 Liter) liefern. Daneben werden wir dieses Jahr mit unserem Projektpartner BARCIK noch weitere Optimierungen der Wassernutzung vornehmen, z.B. die Errichtung größerer Zisternen zur gemeinschaftlichen Nutzung.
Sand- und Manganfilter als Ersatz für SIDKO-Filter (2025 -)
Die bangladeschische Regierung setzt zunehmend auf Tiefbrunnen. Vereinzelt werden noch SIDKO-Filter angeschafft. Beide Ansätze sind mit erheblichen Nachteilen verbunden. Daher beraten wir zusammen mit der Universität Heidelberg das Department for Public Health Engineering (DPHE) und stellen unseren Rooftankfilter (Dachtankfilter) vor. In vorhandene Dachtanks wird lagenweise Sand unterschiedlicher Körnung eingebaut und durch Lagen aus Vlies/Schaumgummi abgetrennt. In diesen Sandlagen wird das im Wasser gelöste Eisen oxidiert und scheidet sich dort als Eisenschlamm ab. Für die Entfernung von Arsen setzen wir lagenweise Manganoxid ein. Alle Materialien sind vor Ort zu einem niedrigen Preis erhältlich. Mit der Rückspülung als Neuentwicklung kann dieser Filter sehr einfach rückgespült werden. Eine sehr preiswerte und robuste Technologie als Ersatz für Tiefbrunnen. Das DPHE ist begeistert von der Entwicklung und hat uns gebeten, 200 solcher Filter an staatlichen Schulen mit besonders schlechtem Wasser zu installieren. Das wird nun 2026 mit Förderung der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit (SEZ) mit Geldern des Landes Baden-Württemberg umgesetzt.

Im Anschluss an das Förderprojekt sollen an beiden Standorten, Ullapara und Nabigonj, lokale Techniker unterstützt werden, diese Filter in gegründeten Start-ups zukünftig selbst zu vertreiben.
Entwicklung innovativer und nachhaltiger Methoden zur Arsenentfernung in Zusammenarbeit mit verschiedenen Hochschulen (2016 - 2025)
- seit 2024: Aufbau von 20 rückspülbaren Sand- und Manganfiltern zur Entfernung von Eisen und Arsen aus Grundwasser
- 2021: Testlauf einer Durchflusskoagulationszelle zur Entfernung von Arsen im Grundwasser an der Schule in Sherpur
- 2019: Geochemische Untersuchungen zur Elektrokoagulation als nachhaltiger Ansatz zur Trinkwasseraufbereitung in Bangladesch (Masterarbeit an der Universität Heidelberg)
- 2018: AsFreeH2O: Eignung und soziale Akzeptanz von Wasserreinigungstechnologien unter Einfluss zukünftiger Meerwasserspiegelanstiege (HeiKa-Kooperationsprojekt zwischen der Universität Heidelberg und dem Karlsruher Institut für Technologie)
- 2016: Arsenentfernung mit neuen, recycelbaren Filtermedien (Masterarbeit an den Universitäten Heidelberg und Darmstadt)
Einrichtung von vier SIDKO-Filtern zur Arsenentfernung aus Trinkwasser (2014 - 2019)
Zur Bekämpfung des Arsenproblems in Bangladesch stellte die AGAPE vier SIDKO-Filteranlagen auf, die zweistufig über Sand und granuliertes Eisenhydroxyd zuverlässig das Arsen entfernen. Diese Filteranlagen waren öffentlich zugänglich.
Die Filtersysteme sind nur auf zentralen Plätzen oder für einen geringen Wirkradius sinnvoll, da größere Mengen Trinkwasser nicht weit transportiert werden. Eine weitere Limitierung besteht in der Filtergeschwindigkeit. Im Durchschnitt lassen sich pro Tag nur 1000 L Wasser filtern, so dass diese Anlagen für die Versorgung vieler Menschen nicht ausreichend dimensioniert sind.

Die SIDKO-Filter werden aus Metall hergestellt. Das Material rostet daher unter den tropisch-feuchten Bedingungen sehr schnell und die Lebensdauer dieser Anlagen ist folglich auf wenige Jahre begrenzt.
Unter einer Kosten-Nutzen-Abwägung verzichtet die AGAPE zukünftig auf diese Filtertypen und hat die Universität Heidelberg gebeten, hinsichtlich innovativer Reinigungsmethoden beratend tätig zu werden.
