Reinigung und Reparatur von Brunnen
In Bangladesch gibt es sehr viele Brunnen. Die meisten flachen Brunnen sind überwiegend Privateigentum, die teuren tiefen Brunnen aber gehören in den meisten Fällen einer Nutzergemeinschaft und wurden von der Regierung oder einer Hilfsorganisation errichtet. Diese Brunnen werden extrem viel genutzt und manche sind daher in schlechtem Zustand. Die überwiegend manuellen Pumpen verschleißen bei häufigem Gebrauch über die Zeit. Die Brunnen werden von den Nutzergemeinschaften im Rahmen ihrer Möglichkeiten gewartet. Kleinere Reparaturen, wie das Auswechseln von Schrauben oder Dichtungen, können noch problemlos bewerkstelligt werden. Doch im Laufe der Zeit können auch größere Reparaturen auftreten, wie gebrochene Gestänge oder gebrochene Brunnenrohre. Gerade alte Brunnen (> 10 Jahre) sind oft einfach nur verstopft, denn Schlamm und feiner Sand werden über die Jahre immer mehr in die Filterschlitze gezogen, bis der Brunnen irgendwann kein Wasser mehr liefert. Als Konsequenz müssen die Dorfbewohner das arsenhaltige flache Grundwasser trinken oder sauberes Wasser über größere Distanzen transportieren.
Viele Dörfer haben bereits einen Tiefbrunnen; gehen diese kaputt, werden in der Regel dann irgendwann neue Brunnen gebohrt. Dies ist nicht erforderlich, denn eine einfache Reinigung mit Druckluft kann schnell Abhilfe schaffen. Während unseres Geländeaufenthalts im November 2023 haben wir daher besonderes Augenmerk auf diese "kaputten" Brunnen gelegt. Eine lokale Bohrfirma war in der Lage, fast alle Brunnen wieder gängig zu machen und die Kosten waren ein Bruchteil davon, was ein neuer Brunnen gekostet hätte. Während unseres Aufenthaltes konnten vier Brunnen wieder nutzbar gemacht werden. Wir haben die Nutzergemeinschaften dabei so viel wie möglich involviert – alle waren sogar bereit, einen Beitrag zur Reparatur ihres Brunnens zu leisten – durch finanzielle Beteiligung, Arbeitskraft oder Sachspenden wie gebrauchte Steigleitungen.
Die Weiternutzung vorhandener Brunnen ist viel sinnvoller als der ständige Bau neuer Brunnen. Deshalb werden wir die Reparatur und Reinigung alter Brunnen auch in Zukunft fördern. Schon mit einer Spende von 50 bis 100€ kann ein Brunnen repariert werden.
Hier ein paar Impressionen zu den Arbeiten:
Bei einem Tiefbrunnen in Dashpara, nahe bei Kanaipur konnten wir, gefördert von der SEZ, einen defekten Tiefbrunnen reparieren und ebenfalls mit einer elektrischen Pumpe sowie Tanks für alle nutzbar wieder in Betrieb nehmen. Bei dem Brunnen war das Brunnenrohr gebrochen. Die Dorfgemeinschaft hatte ihn schon mehrmals notdürftig repariert, doch eine richtige Reparatur war zu teuer. Nach mehr als einer Woche harter Arbeit konnte die Bohrfirma den Brunnen endgültig reparieren. Zu allen Arbeiten haben die Nutzer viel beigetragen. Auf dem Foto baut die Bohrfirma gerade das Brunnenrohr aus, das von den Nutzern zur Reparatur in das gebrochene Rohr geschoben worden war.

Außer diesem Brunnen konnte die Bohrfirma in Kanaipur in der Nähe des Marktplatzes noch einen weiteren Brunnen in unserem Auftrag durch Reinigung reparieren. Außerdem gab es noch einen defekten Brunnen direkt am Marktplatz, der allerdings nicht mehr zu reparieren war, weshalb wir in dessen Nähe einen neuen bohren ließen. Marktplätze sind zentrale Orte, die von vielen Menschen besucht werden. Deshalb besteht hier ein besonders hoher Wasserbedarf.
Bei Tiefbrunnen mit Handschwengelpumpen, wie sie normalerweise von der Regierung errichtet werden, ist das Pumpen sehr aufwändig. Die Pumpen sind häufig kaputt und auf dem Land ist niemand, der sie reparieren kann, bzw. es fehlt eine Dorfstruktur, die die Betriebskosten gemeinschaftlich aufbringt. Unsere Installation wird von AGAPE Bangladesh regelmäßig kontrolliert. Sollten Reparaturen nötig sein, müssen sich die Dorfbewohner mit kleinem Obulus an der Reparatur beteiligen. Das stärkt die Dorfgemeinschaft und fördert das pflegliche Behandeln des Brunnens.

Schulbrunnen Gujakhair: An der Grundschule in Gujakhair stand ein Tiefbrunnen mit Handschwengelpumpe, der jedoch immer trübes, schlecht riechendes und schmeckendes Wasser lieferte und deshalb kaum genutzt wurde. Handschwengelpumpen für Tiefbrunnen sind extrem schwergängig und darum für Kinder nicht bedienbar. Die Kinder tranken folglich das extrem arsenhaltige Wasser aus dem Toilettenblock nebenan. Die Bohrfirma reinigte zur Freude der Schüler*innen den Brunnen mehrere Tage mit Druckluft. Mittlerweile liefert der Brunnen sauberes, klares Wasser. Die Handpumpe wurde durch eine elektrische Pumpe ersetzt und füllt nun den Wassertank auf dem Toilettenblock, aus dem die Kinder ihr Trinkwasser nehmen.

Der Gemeinschaftsbrunnen in Korgaon wurde vor über 10 Jahren von einer bangladeschischen Hilfsorganisation errichtet. Durch die intensive Nutzung war das Innengestänge der Handschwengelpumpe bereits mehrfach gebrochen und wurde an vielen Stellen geschweißt. Schließlich brach jedoch ein Ventil ab und eine leichte Reparatur war nicht mehr möglich. Die Bohrfirma konnte das gebrochene Teil bergen und den Brunnen umfassend regenerieren. Aktuell wird er wieder mit der ursprünglichen Handschwengelpumpe betrieben. Wir haben der Nutzergemeinschaft allerdings angeboten, sie beim Umbau zu einer elektrischen Pumpe mit Tanks und Leitungen zu unterstützen. Das vereinfacht die Wasserentnahme und verkleinert für viele Dorfbewohner die Wege zum Wasser erheblich.

In Lahiri Mohonpure hat unsere Partnerorganisation AGAPE Bangladesh 2023 den defekten SIDKO-Filter durch einen Brunnen mit elektrischer Pumpe und Rohrleitungen ersetzt. Da das Wasser hier in mittleren Tiefen frei von Arsen und Eisen war, musste kein Tiefbrunnen gebaut werden. Für die Festlegung der Brunnentiefe hat die Universität Heidelberg im Umfeld des Dorfplatzes die umliegenden Brunnen beprobt und Arsen- und Eisengehalte bestimmt. So konnte im Vorfeld der Bohrung die erforderliche Tiefe festgelegt werden.

