Forschungsprojekte

Forschungsprojekte

 

Seit 2015 arbeitet der Verein AGAPE e.V. mit verschiedenen Universitäten zusammen, um die Lebensbedingungen in Bangladesch und Indien auch langfristig zu verbessern. Bisherige Forschungsarbeiten, die durch den Verein zustande gekommen sind:

 

Arsenfreies Wasser

AsFreeH2O: Eignung und soziale Akzeptanz von Wasserreinigungstechnologien unter Einfluss zukünftiger Meerwasserspiegelanstiege

(Forschungsprojekt 2016 bis 2018)

 

Veränderungen des Meerwasserspiegels haben in vielen Gebieten der Erde Einfluss auf die Wasserqualität und damit auch auf die verfügbaren Süßwasserressourcen. Arsenhaltiges und zunehmend salziges Grundwasser – im Gegensatz zu mikrobiell belastetem Oberflächenwasser – stellt eine besondere Herausforderung dar, die auch einer intensiven Betrachtung des sozialen Umfeldes der Betroffenen erfordert. Die Behandlung des sichtbar verschmutzten Oberflächenwassers ist sowohl technologisch als auch energetisch sinnvoller als die weniger offensichtliche Arsenbelastung des Grundwassers. Bisher wurde jedoch zu wenig unternommen, um der Bevölkerung diese alternative und arsenärmere Wasserressource nahe zu bringen. In diesem Projekt soll am Beispiel von Bangladesch der Grundstein gesetzt werden, um die Herausforderung der Arsenbelastung durch intensive Kollaboration zu verstehen und eine Herangehensweise zu entwickeln, die auf eine derartige Problematik angewendet werden kann.

 

Abb 1: Im Nordwesten von Bangladesch sind bereits einfache Haushaltfilter zur Entfernung von Eisen im Einsatz.

 

         

Abb 2 und 3: Erste und sehr kostengünstige Prototypen, entwickelt am Institut für Geowissenschaften Heidelberg (GEOW), nutzen die einheimische Technologie und kombinieren diese mit einen Filtermaterial, das Arsen adsorbiert (in dem Stoffbeutel auf dem linken Bild).

 

  • Technologisch: Zwei typische Technologien der Arsenentfernung, Adsorption (Heidelberg) und Membrantechnologie (Karlsruhe) werden aufgrund der sich durch Meerwasserspiegel ändernden Wasserqualität evaluiert.
  • Sozial: In zwei verschiedenen Bezirken in Bangladesch (Pabna & Sylhet) werden durch eine vor Ort tätige NGO aus Heidelberg (AGAPE e.V.) die Faktoren des sozio‐kulturellen Umfeldes im Hinblick auf die sich durch Meerwasserspiegel ändernden Ressource Wasser evaluiert.
  • Mit Hilfe der NGO AGAPE e.V. wird ein ethnologischer Ansatz aus anderen Regionen Südostasien auf die lokalen Bedingungen in Bangladesch angepasst, um die Denkweise und Bedürfnisse der Bangladeschi hinsichtlich der Nutzung von Filtertechnologien zu verstehen und zu berücksichtigen.
  • Technologien zur Wasseraufbereitung und Lagerung werden in Hinsicht auf die Entscheidungsprozesse, Akzeptanz sowie Parameter der Technologie‐Adaptation (Betrieb, Energieaufwand, Wasserqualität, Distanz, usw.) integriert.
  • Das Verständnis der Bevölkerung hinsichtlich nicht wahrnehmbarer chemischer Wasserverunreinigungen wird untersucht und durch verständliche Daten kommuniziert. Es wird untersucht inwieweit dieses Wissen die Entscheidung für oder gegen Technologie beeinflussen kann.

 

         

 

Abb 4 und 5: Verschiedene Technologien sollen auf Eignung und soziale Akzeptanz untersucht werden. Es kommen Gemeinschaftsfilter, z. B. Dadpur Grundschule Foto rechts) und Kleinfilter für den Haushaltsgebrauch (links) zum Einsatz.

Einfluss von Haushaltsabwässern auf die Arsenmobilisierung

Einfluss von Haushaltsabwässern auf die Arsenmobilisierung ins Trinkwasser –
geochemische und statistische Untersuchungen in Sylhet, Bangladesch

(Forschungsprojekt 2017-2019)

 

Nach den Vereinten Nationen (UN) gehört sauberes Wasser zu den Menschenrechten, weshalb der Zugang zu sauberem Trinkwasser ein zentrales Ziel der nachhaltigen Entwicklung ist (Agenda 2030). Die Umsetzung dieses Menschenrechts stellt weiterhin eine globale Herausforderung dar, denn in vielen Teilen der Welt ist das Trinkwasser belastet.

 

Ein besonders gravierender Schadstoff ist Arsen. Die Forschung zeigt, dass Arsen sich langfristig negativ auf die Gesundheit auswirkt, und Haut-, Lungen-, Blasen-, Nieren-, sowie Leberkrebs verursachen kann. Es schadet der Funktion von Nerven-, Herzkreislauf- und Immunsystem und hat mit hoher Wahrscheinlichkeit nachteilige Auswirkungen auf die Kindesentwicklung während der Schwangerschaft (Naujokas et al. 2013). Die Aufnahme von Arsen erfolgt überwiegend über das Trinkwasser. In vielen Ländern ist mit Arsen belastetes Grundwasser ein gewaltiges und vernachlässigtes Gesundheitsproblem. Betroffen sind insbesondere Argentinien, China, Taiwan, Indien, Nepal und Bangladesch. Aufgrund der dichten Besiedlung ist die Arsenbelastung in Bangladesch besonders problematisch (Smith et al. 2000). Etwa 25% der Bevölkerung Bangladeschs (rund 40 Millionen Menschen) sind regelmäßig Arsengehalten im Grundwasser ausgesetzt, die den empfohlenen Grenzwert der WHO (10µg/l) überschreiten (BBS & UNICEF 2015).

 

Es ist nachgewiesen, dass die Belastung des Grundwassers durch natürlich auftretendes Arsen und lokale biogeochemische Prozesse verursacht wird. Die genauen Mechanismen des Arsenmobilisierungsprozesses sind jedoch weiterhin unklar. In Bangladesch ist das Arsen geogenen Ursprungs und tritt in Verbindung mit Eisen- oder Karbonatmineralen auf. Ungünstige Bedingungen im Grundwasser führen zur Auflösung der arsenhaltigen Minerale und damit zur Freisetzung des angelagerten Arsens. Es wird angenommen, dass organischer Kohlenstoff den Prozess der Arsenmobilisierung verstärkt ̶ durch die Unterstützung mikrobieller Aktivität, was die Entstehung reduzierender Verhältnisse beeinflussen kann (Lawson et al. 2016). Außerdem können Phosphate zur Arsenfreisetzung beitragen, indem sie um Sorptionsplätze konkurrieren (Maier et al. 2017).

 

Arsenmobilisierung wird durch natürliche Prozesse beeinflusst (Smedley & Kinniburgh 2002). Bei flachen Rohrbrunnen ist allerdings anzunehmen, dass menschliche Aktivität lokal zum Prozess der Arsenmobilisierung beiträgt. Ravenscroft et al. (2002) gehen davon aus, dass die Verwitterung von Torf der natürliche Antrieb der ablaufenden Mobilisierungsprozesse ist. Sie verweisen allerdings auf die Notwendigkeit, den Einfluss von Latrinen auf die ablaufenden Prozesse genauer zu untersuchen. Diese Hypothese wurde seitdem nicht weiter verfolgt. Erst in aktuellen Studien wird der bisher unberücksichtigte Einfluss menschlicher Abwässer auf die Arsenmobilisierung wieder aufgegriffen (Whaley-Martin et al. 2017). Sowohl durch einfache als auch verbesserte Latrinensysteme gelangen Fäkalien in das Grundwasser (Escamilla et al. 2013), wodurch mikrobielle Belastungen sowie Phosphate und moderner organischer Kohlenstoff in Sediment und Grundwasser eingetragen werden. Bisherige Studien zeigen, dass bei Brunnen in unmittelbarer Nähe zu Abwasserabflüssen oder Latrinen eine negative Korrelation zwischen Fäkalmarkern und Arsenbelastung besteht (McArthur et al. 2012). Diese Arbeiten berücksichtigen allerdings nicht, dass anoxische Bedingungen durch mikrobielle Prozesse hervorgerufen werden, die zeitlich verzögert stattfinden. Dadurch ist anzunehmen, dass die Arsenmobilisierung erst mit einem bestimmten Abstand im Abstrom der Latrinen auftritt. Um die komplexe Beziehung und die ablaufenden geochemischen Prozesse vollständig zu verstehen ist ein Forschungsansatz notwendig, der den zeitlichen und räumlichen Kontext sanitärer Einflussfaktoren wie Latrinentyp, Standort und Nutzungsgrad mitberücksichtigt.

 

 

          

Abb 1: Oberflächengewässer sind aufgrund von häuslichen Abwässern häufig eutrophiert und speisen das Grundwasser mit Organik und Phosphat.

Abb 2: Fast jede Familie hat einen eigenen einfachen Pumpbrunnen. Häufig ist die technische Ausstattung mangelhaft und es können vertikale Eintritte von Abwässern in das Grundwasser stattfinden – beispielsweise bei defekten Bodenplatten wie hier.

 

Zusätzlich negative Auswirkungen auf Trinkwasserqualität und Arsenmobilisierung haben möglicherweise übliche soziokulturelle Praktiken im ländlichen Bangladesch, wie die unangemessene Entsorgung von Abwässern, zu geringe Abstände zwischen Latrinen und Brunnen oder schlecht gewartete sanitäre Infrastruktur (Escamilla et al. 2013, Dey et al. 2017). Während die Akzeptanz der bangladeschischen Bevölkerung bezüglich der möglichen Methoden zur Arsenbeseitigung bereits umfangreich untersucht wurde, liegen bisher nur wenige Studien zur Wahrnehmung und Motivation der ländlichen Bevölkerung hinsichtlich ihres sanitären Verhaltens vor.    

 

         

Abb 3 und 4: In der Regel sind die Pumpbrunnen direkt neben den einfachen Latrinen, durch welche die Abwässer ungeklärt in das Grundwasser gelangen. Der Brunnen auf dem linken Bild befindet sich an der linken Außenwand der Latrine auf dem rechten Foto und somit kaum einen Meter von dem Abwassereintrag entfernt.

 

Unser Ziel ist es zu verstehen, wie das komplexe Zusammenspiel soziokultureller und sanitärer Faktoren die hydrogeochemischen Prozesse beeinflusst, die zur Arsenbelastung des Trinkwassers führen. Im Rahmen unseres Forschungsvorhabens soll der Einfluss sanitärer Faktoren auf die Arsenmobilisierung quantitativ erfasst werden unter Berücksichtigung soziokultureller Aspekte sanitärer Praxis. Langfristig möchten wir zu der Entwicklung von Alternativen beitragen, um die Arsenbelastung des Grundwassers effizienter zu reduzieren und um politische Leitfäden für verbesserte sanitäre Strukturen zu entwerfen. Dieses Pilotprojekt in Bangladesch soll eine methodische Grundlage bilden, die für andere Regionen mit vergleichbaren Wasserproblemen angepasst angewendet werden kann.

 

Vorläufige Datenerhebung

Das vorgestellte Forschungsprojekt wird im Rahmen der Studie „Food and Agriculture Approaches to Reducing Malnutrition“ (FAARM) erfolgen, für die Dr. Jacobs seit Dezember 2016 arbeitet. FAARM ist eine cluster-randomisierte Studie, die von Dr. Sabine Gabrysch an der Universität Heidelberg in Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation „Hellen Keller International“ (HKI) durchgeführt wird. Die Studie evaluiert die Wirkung des „Homestead Food Production“- Programms von HKI auf Wachstumshemmungen bei Kindern. 2700 junge Frauen aus 96 Dörfern in Sylhet, im Nordosten Bangladeschs, nehmen an der Studie teil. In 48 Dörfern wird eine Intervention durchgeführt, bei der die Frauen Unterstützung durch HKI erhalten, für den Anbau ganzjähriger Hausgärten, Hühnerhaltung sowie die Umsetzung besserer Ernährung und Hygiene. Das FAARM Projekt bietet die notwendige Infrastruktur für die Untersuchung der komplexen anthropogenen Einflüsse auf Arsen. Sylhet gehört zu den am stärksten arsenbelasteten Regionen Bangladeschs. 38% der Einwohner nutzen Grundwasser, das den WHO-Grenzwert von 10 µg/l überschreitet und 25% sind Arsenkonzentrationen oberhalb des bangladeschischen Grenzwertes von 50 µg/l ausgesetzt (BBS & UNICEF 2015).

 

Abb 5: Ergebnisse der 250 beprobten Brunnen in Sylhet 2017. Die Arsengehalte schwanken regional sehr deutlich.

 

Im Frühjahr 2017 wurde eine Umfrage durchgeführt, um Informationen über die Brunnennutzung von 250 Haushalten innerhalb des FAARM Studienbereichs zu sammeln. Dabei wurden die Brunnen nummeriert und Wasserproben entnommen.

 

Die Laboranalysen wurden von Dr. Maier und der Arbeitsgruppe Hydrogeochemie durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen weit streuende Arsenkonzentrationen von unterhalb der Detektionsgrenze bis zu mehr als 400 µg/l. 68% der beprobten Brunnen überschritten den WHO Grenzwert von 10 µg/l und 35% lagen oberhalb des bangladeschischen Grenzwerts von 50 µg/l. Die vollständige Messung aller geochemischen Parameter ist noch nicht abgeschlossen.

 

Von Dr. Maier und seinem Team wurden zwischen 2014 und 2017 im Distrikt Ullapara im Nordwesten Bangladeschs mehrere hydrogeochemische Untersuchungen durchgeführt. Dabei zeigte sich an drei Standorten, dass Brunnen mit hohen Arsengehalten insbesondere in der Nähe intensiv genutzter Latrinen (z.B. in Schulen) auftreten. Diese Beobachtung bedarf einer statistischen Verifizierung durch eine ausreichend große Probenmenge, was am Standort in Sylhet möglich ist.

 

Das HCE-Start Projekt wird als Anschubfinanzierung genutzt, um die Kooperation zu etablieren und erste Ergebnisse für mindestens eine gemeinsame Publikation zu sammeln. Das Projekt soll außerdem die Plattform für mehrere interdisziplinäre Doktorarbeiten bieten. Es wird angestrebt, die gemeinsame Forschungsarbeit fortzuführen, um die Anwendbarkeit des hier vorgestellten Ansatzes auch in anderen Regionen zu evaluieren.

 

https://www.hce.uni-heidelberg.de/forschung/Arsen.html

 

Literatur

Naujokas, M. F., Anderson, B., Ahsan, H., Aposhian, H. V., Graziano, J. H., Thompson, C. & Suk, W. A. (2013): The Broad Scope of Health Effects from Chronic Arsenic Exposure: Update on a Worldwide Public Health Problem. In: Environmental Health Perspectives 121.3, S. 295-302. doi: 10.1289/ehp.1205875.

 

Smith, A. H., Lingas, E. O. & Rahman, M. (2000): Contamination of drinking-water by arsenic in Bangladesh: a public health emergency. In: Bulletin of the World Health Organization 78, S. 1093-1101.

 

BBS & UNICEF (2015): Bangladesh Multiple Indicator Cluster Survey 2012-2013 Final Report. Techn. Ber. Bangladesh: BBS/UNICEF, S. 272.

 

Lawson, M., Polya, D. A., Boyce, A. J., Bryant, C., Mondal, D., Shantz, A. & Ballentine, C. J. (2013): Pond-Derived Organic Carbon Driving Changes in Arsenic Hazard Found in Asian Groundwaters. In: Environmental Science & Technology 47.13, S. 7085-7094. doi: 10.1021/es400114q.

 

Maier, M. V., Isenbeck-Schröter, M., Klose, L. B., Ritter, S. M. & Scholz, C. (2017): In Situ-mobilization of Arsenic in Groundwater - an Innovative Remediation Approach? In: Procedia Earth and Planetary Science 17, S. 452-455. doi: 10.1016/j.proeps. 2016.12.114.

 

Smedley, P. L. & Kinniburgh, D. G. (2002): A review of the source, behaviour and distribution of arsenic in natural waters. In: Applied Geochemistry 17, S. 517-568.

 

Ravenscroft, P., McArthur, J. & Hoque, B. (2001): Geochemical and Palaeohydrological Controls on Pollution of Groundwater by Arsenic. In: Arsenic Exposure and Health Effects IV. Hrsg. von W. Chappell, C. Abernathy & R. Calderon. IV. Bd. 5. Oxford: Elsevier Science Ltd. Kap. Geochemica, S. 53-78.

 

Whaley-Martin, K. J., Mailloux, B. J., Geen, A. van, Bostick, B. C., Ahmed, K. M., Choudhury, I. & Slater, G. F. (2017): Human and livestock waste as a reduced carbon source contributing to the release of arsenic to shallow Bangladesh groundwater. In: Science of The Total Environment 595, S. 63-71. doi: 10.1016/j.scitotenv.2017.03.234.

 

Escamilla, V., Knappett, P. S. K., Yunus, M., Streatfield, P. K. & Emch, M. (2013): Influence of Latrine Proximity and Type on Tubewell Water Quality and Diarrheal Disease in Bangladesh. In: Annals of the Association of American Geographers 103.2, S. 299-308. doi: 10.1080/00045608.2013.756257.

 

McArthur, J., Sikdar, P., Hoque, M. & Ghosal, U. (2012): Waste-water impacts on groundwater: Cl/Br ratios and implications for arsenic pollution of groundwater in the Bengal Basin and Red River Basin, Vietnam. In: Science of The Total Environment 437, S. 390-402. doi: 10.1016/j.scitotenv.2012.07.068.

 

Neumann, R. B., Ashfaque, K. N., Badruzzaman, A. B. M., M., A. A., Shoemaker, J. K. & Harvey, C. F. (2010): Anthropogenic influences on groundwater arsenic concentrations in Bangladesh. In: Nature Geoscience 3.1, S. 46-52. doi: 10.1038/ngeo685.

 

Dey, N. C., Parvez, M., Dey, D., Saha, R., Ghose, L., Barua, M. K., Islam, A. & Chowdhury, M. R. (2017): Microbial contamination of drinking water from risky tubewells situated in different hydrological regions of Bangladesh. In: International Journal of Hygiene and Environmental Health 220.3, S. 621-636. doi: 10.1016/j.ijheh.2016.12.007.

 

Geochemische Untersuchungen

Geochemische Untersuchungen und wissenschaftlich-technische Beratung zur As-Problematik in Pabna, Bangladesch

(Forschungsprojekt 2015 – 2017)

 

Das Auswärtige Amt gibt an, dass 663 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberen Wasser haben (Stand 2015). Viele Faktoren können zu einer Trinkwassergefährdung führen. In einigen Ländern stellt Arsen im Trinkwasser ein großes gesundheitliches Risiko dar. Eine kontinuierliche Aufnahme kann unter anderem eine kanzerogene Auswirkung auf den menschlichen Organismus haben. Besonders betroffene Länder im asiatischen Raum sind Bangladesch, Indien (West Bengal) und Nord-China (Smedley et al., 2002).

 

Die hohen Belastungen im Grundwasser von Bangladesch und West Bengalen wurden international als ernstes Problem für die dort lebenden Bevölkerung erkannt (Smedley et al., 2002). Um eine bakterienfreie Trinkwasserversorgung zu gewährleisten, bemüht sich die Landesregierung mit der Unterstützung internationaler Hilfsorganisationen landesweit Grundwasser als Trinkwasserquelle zu erschließen (Harvey et al., 2002). Diese Grundwasserentnahme führte zum Auftreten von arsenbedingten Krankheitsfällen (Smedley et al., 2002).

 

Die Forschungsgruppe Hydrogeochemie und Hydrogeologie des Instituts für Geowissenschaften der Universität Heidelberg hat durch langjährige Forschung tiefgreifende Erkenntnisse über das Verhalten von As im aquatischen Milieu gesammelt und geochemische Prozesse untersucht, die bei der Sorption und Mobilisierung beteiligt sind. Im District Pabna wurden bisher von September 2015 bis April 2017 aus privaten Hausbrunnen und Bewässerungsbrunnenoberflächennahes Grundwasser entnommen und im Labor des GEOW analysiert.

 

         

Abb 1 und 2: In den Jahren 2015 und 2016 fanden erste Probenahmen zum Verständnis der Prozesse der Arsenmobilisierung statt.

 

         

Abb 3 und 4: Auch freistehende Bewässerungsbrunen wurden in die Untersuchungen einbezogen. Erste Messungen vorort zeigen, dass das gelöste Eisen im Wasser häufig unter Sauerstoffeinfluss schnell ausfällt.

 

         

Abb 5 und 6: Zur Untersuchung der Mineralzusammensetzung und der sorbierten Arsengehalte wurden Sedimentproben aus dem Oberboden und tieferen Schichten entnommen.

 

Untersucht wurden insgesamt fünf Standorte in der Umgebung von Ullapara, ca. 120 km WNW von Dhaka. Mehrere Messstellen wurden in diesem Zeitraum erfasst und auf Arsen und grundwassercharakterisierende Parameter geprüft. Über vergleichbare Messungen zu unterschiedlichen Jahreszeiten konnte an der Mehrzahl der Standorte festgestellt werden, dass die meisten gemessenen Parameter, z.B. auch Arsen, nur geringen Schwankungen unterliegen. Deutliche Veränderungen im Jahresgang wiesen Phosphat und Organik auf, die in der Regenzeit in signifikant höheren Gehalten nachgewiesen werden konnten. Beide Parameter sind nachweislich an der Freisetzung von Arsen beteiligt.

 

Die Arbeiten wurden in Zusammenarbeit und mit finanzieller Unterstützung des Heidelberger Vereins „AGAPE Hilfe für Slumkinder e.V.“ durchgeführt. Während des Untersuchungszeitraums wurden durch den Verein vier Tiefbrunnen errichtet. Zwei Bohrungen wurden vom GEOW begleitet und Sedimentproben entnommen. Die geowissenschaftliche Untersuchung des Sediments soll die Ergebnisse der Grundwasseruntersuchungen ergänzen und zum Prozessverständnis beitragen. Der aktuelle Fokus der Untersuchungen liegt auf anthropogenen Einflüssen, die möglicherweise die Arsenproblematik verstärken. Damit schließen die Projekte FAARM und AsFreeH2O direkt an dieses Projekt an.

 

Für den Standort Pabna wurden drei verschiedene Filtertypen zur Eliminierung von Arsen unter Verwendung innovativer Adsorptionstechnologien entwickelt und im April 2017 an ausgewählten Stellen für den Testbetrieb installiert. Es ist geplant, im Herbst die Anlagen auf Funktion zu prüfen und ggf. für den Dauerbetrieb zu optimieren. Bei den Filteranlagen steht neben Finanzierbarkeit und Reinigungsleistung insbesondere auch die Nachhaltigkeit der Reinigung inkl. der Rücknahme der verbrauchten Materialien im Vordergrund.

 

Innerhalb des Projekts wurde bereits mit der Universität Dhaka und dem College Ullapara kooperiert, was im weiteren Projektverlauf intensiviert werden soll. Weitere Zusammenarbeit zum Aufbau einer Datenbank und einer kontinuierlichen Beobachtung von As-Konzentration ist geplant. Die bisherigen Ergebnisse dieses Projekts wurden im Rahmen von zwei Bachelor und drei Masterarbeiten erarbeitet und dokumentiert.

 

Geochemische Untersuchungen zur Trinkwasserproblematik in Sylhet, Bangladesch

(Projektlaufzeit 2016 bis 2018)

 

Das Heidelberger Institut für Global Health (PD. Dr. med. Sabine Gabrysch) beschäftigt sich im Rahmen einer repräsentativen Feldstudie in Sylhet, Bangladesch mit dem Thema Mangelernährung und dessen Einfluss auf das Wachstum von neugeborenen Kindern. In diesem Zusammenhang soll u.a. Eisen im Trinkwasser untersucht werden. Im Rahmen der Feldstudie werden die ca. 2.000 Trinkwasserbrunnen im Untersuchungsgebiet erfasst, markiert und beprobt. In einer Zusammenarbeit mit dem Institut für Geowissenschaften (GEOW, Dr. Martin Maier) sollen neben dem Parameter Eisen auch Arsen und die charakteristischen Parameter beobachtet werden, durch die das Redoxmilieu abgeleitet werden kann.

 

Die Untersuchungen werden in Kostenteilung mit dem Universitätsklinikum und aus Eigenmitteln des GEOW finanziert. Die aktuellen Forschungsergebnisse sind in dem Projekt „Influence of human waste on arsenic release into drinking water in Bangladesh – geochemical and statistical investigations“ dargestellt.

 

Die Ergebnisse fließen auch in das Projekt AsFreeH2O ein. Der Standort Sylhet soll für eine nähere Betrachtung von technologischen Möglichkeiten der Arsenentfernung und deren soziale Akzeptanz näher untersucht werden. Sylhet stellt aufgrund der hohen Arsenbelastungen im Wasser sowie der besonderen Armut der Bevölkerung ein sehr interessantes Umfeld für die Studien dar.

 

Cleanwater

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